dino saluzzi

dino saluzzi im grossen saal des mozarteums

dino saluzzi - eine jahrzehntelange freundschaft

bei seinem konzert im rahmen des dialoge-festivals der internationalen stiftung mozarteum war dino saluzzi als genie mit seiner unvergleichlichen art des musizierens zu erleben. genie vielleicht gerade deswegen, weil er mit einer unverfälschten und ehrlichen bescheidenheit die magischen klänge zulässt, die so typisch für menschen sein kann, die weit weg von der städtischen arroganz und hektischen konkurrenz aufgewachsen sind. das publikum kann erahnen, welche verwurzelung und verbundenheit mit der eigenen herkunft voraussetzung für wirkliche genialität ist. es sind keine bloßen argentinischen landschaftsbilder oder romantischen tango-nostalgien, die dino saluzzi mit seinem bandoneon malt. es sind vielmehr die seelen alljener, die in seiner heimat leben und gelebt haben, die geister die die weiten erfüllen und zur durchdringenden emotionalen erfahrung in seiner musik werden. er spielt das bandoneon nicht als instrument, sondern es wird zum teil seines atems, das bandoneon scheint seine stimme zu werden.

saluzzi erschließt dabei mit seiner sensibilität nicht nur die welt seiner eigenen musik, sondern auch völlig neue zugänge zur argentinischen folklore: so werden stücke von atahualpa yupanqui plötzlich heutig und in ihrer musikalischen essenz persönlich berührend. saluzzi wird aber auch kosmopolit, denn er ersetzt nicht nur sprache mit weltweit verständlicher musik, er vermittelt die gültigkeit der heimischen urbilder für die welt. dabei muss er aber keine rahmen sprengen, sondern braucht sich nur in sein inneres wissen zu vertiefen. er kennt die wirkung von auslassung und verfeinerung, von zwischentönen und ungewöhnlichem zeitmaß. rubato - oder tempo rubato bezeichnet die freie tonverzögerung und kommt aus dem italienischen rubare für rauben, stehlen. saluzzi stiehlt also (nur von anderen) für absolut gehaltenen zeit genau jene momente ab, die unverhoffte einblicke in die seele der musik und in die natur der gefühle ermöglichen.

bei aller bescheidenheit und demut, mit der saluzzi musiziert, blitzt dankbarer stolz aus seinen augen, wenn er dem publikum anvertraut, dass er es als geschenk betrachtet, im familienkreis musizieren zu dürfen: sein sohn josé maría saluzzi (gitarre) und sein neffe matías saluzzi (bass) begleiten nicht nur die klänge des bandoneons, sie gehen auf der wanderschaft durch die weiten mit und wagen in gelungenen soli dann und wann eigene wege, ohne dem maestro dino seine natürliche autorität streitig zu machen. saluzzi wird oft zu unrecht mit astor piazzolla verglichen. keiner dieser vergleiche wird der einzigartigkeit, der persönlichen einmaligkeit des musikalischen stils saluzzis gerecht. wollte man die musikalischen wurzeln und traditionen zitieren, die saluzzi zu vereinen vermag, so müssten wohl viel mehr komponisten erwähnt werden, weit über tango, argentinische folklore und jazz hinaus. es ist eben diese unfassbarkeit, die einen wahren meister auszeichnet.

bei unserem anschliessenden gespräch mit dino erfrischten wir nicht nur die erinnerungen an seine winterlichen auftritte in goldegg oder seinen allerersten auftritt in salzburg in der elisabethbühne, wir schmiedeten auch pläne für weitere projekte mit seiner musik, die uns bereits seit jahrzehnten begleitet. salud dino!