gunter demnig verlegt stolpersteine in salzburg

die ersten stolpersteine in der linzergasse 5

gunter demnig verlegt stolpersteine in salzburg

mitten im trubel einer fussgängerzone zwischen kleinlieferwagen und lkws beginnt eine scheinbar alltägliche szene: auf dem asphalt werden markierungen angezeichnet, dann wird die schwarzgraue decke aufgeschnitten und mit dem bohrhammer platz geschaffen um darin drei gedenksteine einzubetonieren. da bricht einer etwas auf, legt frei, gräbt bis vor kurzem verdecktes aus, holt unten liegendes nach oben und plaziert steine neu.

da geht einer mit dem werkzeug der strasse unspektakulär und dennoch konzentriert an die arbeit. etwas scheint ihn zu treiben, macht ihn fast unaufhaltsam und konsequent. da können fernsehkameras filmen oder stille beobachterInnen zusehen, da kann eine gruppe touristInnen fragenden blickes innehalten oder auch ein achtlos eiliges taxi hupend seinen weg an ihm vorbei bahnen - der mann lässt sich nicht beirren.

sein tun hat sowohl meditatives wie demütiges an sich, in jedem falle viel respektvolles. dadurch wird erschütterung und berührung über den eigentlichen grund des handelns spürbar.

gunter demnig, der schon 1993 die ersten ideen für sein projekt zum gedenken an die vertreibung und vernichtung der jüdInnen, zigeunerInnen, politisch verfolgten, homosexuellen, zeugInnen jehovas und euthanasieopfern hatte, verlegte am 22.august 07 nun erstmals in österreich "stolpersteine". bei jeder der insgesamt an diesem tag 7 stationen in der stadt salzburg wurde einer anderen opfergruppe gedacht.

"stolpersteine" tragen immer den namen und die daten der ermordung der holocaust-opfer in messing und werden von gunter demnig vor dem letzten selbst gewählten wohnort - oder im falle eines zwangsarbeiters am ort seiner ermordung im volksgarten - in den boden eingelassen. für zwei ermordete kleinkinder wurden "stolpersteine" am standort des "zigeunerlagers" salzburg-maxglan verlegt. nach mehr als 12.000 steinen in deutschland, ungarn und österreich (braunau, mödling) halten damit auch erstmals in einer österreichischen landeshauptstadt "stolpersteine" die erinnerung wach.

ein überparteiliches personenkomitee machte diese aktion in der stadt salzburg möglich, wohl eine der ersten aktionen des holocaust-gedenkens in dieser stadt, die alle opfergruppen der naziverbrechen gemeinsam unterstützen und diese miteinander verbindet, wie der historiker gert kerschbaumer betonte. die aktion "stolpersteine" wird schon bald ihre fortsetzung sowohl wieder in salzburg als auch anderen teilen österreichs finden.

weitere infos unter:

www.stolpersteine.com

www.kultur.or.at