

Marco Feingold - Holocaust-Überlebender und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde - beobachtet Gunter Demnig bei der Verlegung der "Stolpersteine" in Salzburg. Foto: Cristina Colombo
Wie konnte dies geschehen? So fragten mich junge Menschen, weil sie mir ansahen. daß ich altermäßig Zeitzeuge sein müsste, während Gunter Demnig in unserer Stadt am Main die Messingtafeln, auf denen die Namen und Schicksale der Opfer des nationalsozialistischen "Dritten Reichs" eingraviiert sind, in die Gehsteige vor ihren damaligen Wohnungen verlegte. Auf ihre Frage konnte ich nur antworten, daß dieser Massenmord mangels jeglichen Unrechtsbewusstsein und humanen Orientierung, bei uns, einer damals mehrheitlich nationalistisch, deutschvölkisch-militaristisch, und antisemitisch gesinnten Generation geschehen konnte. Positiv vermerkten sie, daß mit diesen "Stolpersteinen" die Opfer, - Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und politisch Verfolgte- aus der Anonymität der zahlreichen Denkmale und Gedenktafeln namentlich hervor treten.
Ich sagte den Leuten aber auch, daß dank vieler privater Initiativen man sich auch an den militärischen Widerstands, einer bisher verschwiegenen und diskrimnierten Opfergruppe -die Fahnenflüchtigen, Wehrkraftzersetzer und Kriegsdienstverweigerer - erinnert, die sich dem Mordapparat Hitlers widersetzt haben, der Verbrecherfahne entflohen und deswegen ermordet wurden. Schon in vielen Städten hat Gunter Demnig Stolpersteine zur Erinnerung an diese mutigen Männer verlegt.
Karl-Heinz Klaiber (Jahrgang 1923)
97084 Würzburg
anmerkung von jennycolombo.com:
wir freuen uns immer wieder über reaktionen auf unsere berichte über unsere aktivitäten und über aktionen, an denen wir uns beteiligen. bis dato haben wir noch keine "leserInnenbriefe" veröffentlicht, in diesem falle machen wir gerne eine ausnahme.